Der Handheld-Sektor entwickelte sich weitgehend parallel zur Heimkonsolen-Industrie und schuf einen fundamental neuen Markt: das Spielen jederzeit und überall. Während die ersten Taschenspiele wie Mattel Auto Race (1976) und die Game & Watch-Serie von Nintendo (ab 1980) einfache, gerätegebundene Erlebnisse boten, begann die wahre Revolution mit der Einführung austauschbarer Module.
Der Nintendo Game Boy (1989) definierte den Markt neu. Er war technisch simpel, bot aber mit einem monochromen Display und einer beispiellosen Akkulaufzeit die perfekte Kombination aus Portabilität und Robustheit. Die Killer-Applikationen wie Tetris machten den Game Boy zum absoluten Marktführer und zu einem kulturellen Phänomen.
Die Konkurrenz setzte jedoch auf Farbe und technische Überlegenheit und forderte Nintendo im sogenannten "Farbkrieg" heraus:
Nachdem Nintendo den Farb-Krieg der ersten Generation überstanden hatte, perfektionierte das Unternehmen seine Technologie schrittweise, bevor es das Design revolutionierte:
Mitten in der Handheld-Evolution machte Nintendo einen visionären, aber verfrühten Vorstoß: den Virtual Boy (1995). Technisch gesehen war er weder ein klassischer Handheld noch eine Heimkonsole, sondern eine Tabletop-Maschine, die mithilfe von roten LED-Displays eine frühe Form der stereoskopischen 3D-Grafik erzeugte. Aufgrund des hohen Preises, des mangelnden Komforts und der monochromen Rot-Schwarz-Grafik wurde der Virtual Boy ein kommerzieller Misserfolg. Er gilt heute jedoch als wichtiger historischer Marker für Nintendos ersten Versuch im Virtual Reality-Segment.
Die spätere Handheld-Generation brach mit dem traditionellen Game-Boy-Design und führte neue Interaktionsformen ein:
Auch wenn die Nintendo Switch das Hybrid-Konzept für den Massenmarkt berühmt gemacht hat: Die Idee, eine portable Konsole an den Fernseher anzuschließen, existierte schon Jahrzehnte zuvor.
Den Anfang machte 1994 der seltene SEGA Mega Jet, gefolgt vom 1995 erschienenen SEGA Nomad – einem echten Handheld mit A/V-Ausgang für den Fernseher. Jahre später folgte Sony mit TV-Out-Lösungen für die PSP-2000 (2007) und die PSP Go (2009) samt Dockingstation.
Die Grenzen zwischen stationärem und mobilem Gaming sind durch die Hybrid-Strategie verschwommen. Die tragbaren Geräte von heute sind so leistungsfähig, dass sie eine konsequente Cross-Plattform-Zukunft ermöglichen, in der große AAA-Titel überall spielbar sind.